Kredit-News im November 2025: Geschlechtsspezifische Kreditvergabe, Wohneigentum bleibt für viele ein „Traum“ und Unterschiede bei der Autofinanzierung

Der November 2025 beschert uns gleich mehrere aufschlussreiche Studien zur aktuellen Kreditlandschaft in Deutschland – und die Erkenntnisse sind durchaus überraschend. Während sich die einen Fragen, warum sie für denselben Kredit mehr bezahlen als andere, stehen weitere vor der Herausforderung, ihre Wohnträume überhaupt noch finanzieren zu können. Und bei der Frage nach dem nächsten Auto zeigt sich: Die Finanzierungsform entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Benziner oder ein E-Auto in der Garage steht. Was diese drei Themen verbindet? Sie alle zeigen, wie stark Finanzierungsentscheidungen von individuellen Lebensumständen, gesellschaftlichen Strukturen und persönlichen Präferenzen beeinflusst werden – und welche weitreichenden Folgen das hat. Von geschlechtsspezifischen Zinsunterschieden über einen wie festgefroren wirkenden Immobilienmarkt bis hin zu überraschend klaren Mustern bei der Autofinanzierung: Die aktuellen Entwicklungen geben Einblicke in eine Kreditlandschaft im Wandel.
Gender Pay Gap macht Kredite für Frauen 7 Prozent teurer
- Frauen zahlen durchschnittlich 7,39 Prozent Zinsen für Ratenkredite, Männer nur 6,89 Prozent – das entspricht 168 Euro Mehrkosten bei einem Durchschnittskredit über 12.632 Euro
- Das Median-Einkommen von Kreditnehmerinnen liegt mit 2.344 Euro rund 16 Prozent unter dem der männlichen Antragsteller (2.800 Euro), was sich direkt auf die Kreditkonditionen auswirkt
- Frauen erhalten zudem seltener Kreditzusagen: Nur 41 Prozent ihrer Anfragen führen zu mindestens einem Angebot, bei Männern sind es 46 Prozent
Eine aktuelle Verivox-Auswertung zeigt deutliche Unterschiede bei der Kreditvergabe zwischen den Geschlechtern. Die Zahlen basieren auf Kreditabschlüssen zwischen Juni und August 2025 und offenbaren eine klare Benachteiligung von Frauen beim Zugang zu günstigen Finanzierungen.
Der Grund für die höheren Zinsen liegt in den strukturellen Einkommensunterschieden: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, haben öfter unterbrochene Erwerbsbiografien und sind in Branchen mit niedrigerem Lohnniveau beschäftigt. Aus Bankensicht führt das geringere Gehalt zu einer schlechteren Kreditwürdigkeit, was sich direkt in höheren Zinssätzen niederschlägt.
Die Einkommenslücke hat weitere Konsequenzen: Männliche Kreditnehmer leihen sich im Durchschnitt 15.568 Euro, während Frauen nur 12.632 Euro aufnehmen können. Experten empfehlen unabhängig vom Geschlecht einen gründlichen Anbietervergleich, um die besten Konditionen zu sichern. Ein Online-Vergleich mit Schufa-neutraler Anfrage erhöht die Chancen auf günstige Angebote erheblich und kann mehrere hundert Euro Zinsen einsparen.
Interhyp Wohntraumstudie: Immobilienmarkt wie festgefroren – Wohnträume rücken in weite Ferne
- 60 Prozent der Befragten wünschen sich eine Veränderung ihrer Wohnsituation, doch mehr als ein Viertel glaubt nicht daran, eine passende Wohnung zu finden
- Zwei Drittel der Mieter möchten im Eigentum leben, doch 75 Prozent nennen niedrigere Immobilienpreise und 53 Prozent niedrigere Kreditzinsen als wichtigste Voraussetzung für einen Kauf
- Der Wohntraum wird pragmatischer: Während das Einfamilienhaus weiter vorne liegt (54 Prozent), gewinnen Doppelhaushälften und Wohnungen in Mehrfamilienhäusern an Bedeutung
Die Interhyp Wohntraumstudie 2025 zeigt deutlich, wie multiple Krisen die Wohnträume der Deutschen verändern. Befragt wurden rund 1.500 Menschen zu ihren Sehnsüchten, Ängsten und Wünschen rund ums Wohnen.
Das Zuhause wird zunehmend als Schutzraum wahrgenommen: 93 Prozent der Befragten wünschen sich gerade in Krisenzeiten einen sicheren Rückzugsort, 80 Prozent möchten langfristig in ihrem Zuhause bleiben. „Je unüberschaubarer die Außenwelt, desto größer wird das Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstwirksamkeit in den eigenen vier Wänden“, erklärt Interhyp-Vertriebsvorständin Mirjam Mohr.
Gleichzeitig offenbart die Studie ein Dilemma: Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt ungebrochen stark – ein schönes Zuhause steht direkt nach Gesundheit auf Platz zwei der wichtigsten Dinge im Leben. Doch die Hürden sind hoch. 63 Prozent der Befragten bewerten den Markt als schwierig und festgefroren, 60 Prozent können sich finanziell keine andere Immobilie leisten.
Die Folge: Viele Menschen verharren in Wohnlösungen, die nicht mehr zu ihrer Lebenssituation passen. Interhyp fordert politische Maßnahmen wie Senkungen bei der Grunderwerbsteuer, verlässliche Förderprogramme und eine Ankurbelung des Neubaus, um den Immobilienerwerb wieder einer breiteren Masse zugänglich zu machen.
Mobile.de-Studie: Benziner werden finanziert, E-Autos geleast – klare Präferenzen bei der Antriebswahl
- 45 Prozent der künftigen Leasing-Kunden planen ein E-Auto, während nur 15 Prozent Elektrofahrzeuge bevorzugen – stattdessen entscheiden sich 63 Prozent der Finanzierer für Benziner
- Zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) schätzen beim Leasing die Flexibilität, nach Vertragsende unkompliziert das Fahrzeug zu wechseln, was die Einstiegshürde für E-Autos senkt
- Barkäufer setzen meist eine Preisgrenze von 10.000 Euro für Gebrauchtwagen, während Leasing- und Finanzierungsnutzer bereit sind, bis zu 20.000 Euro auszugeben
Eine aktuelle Mobile.de-Umfrage offenbart deutliche Unterschiede bei der Wahl des Antriebstyps je nach Finanzierungsform. Der Benziner bleibt die bevorzugte Wahl für Autokäufer, die finanzieren oder bar kaufen, während Leasing-Nutzer sich deutlich offener für alternative Antriebe zeigen.
Die Gründe für diese Unterschiede liegen in den jeweiligen Vorteilen der Finanzierungsformen: Beim Leasing überzeugt vor allem die Flexibilität – 66 Prozent schätzen die Möglichkeit zum unkomplizierten Fahrzeugwechsel nach Vertragsende. Für 38 Prozent ist die gleichmäßige Verteilung der monatlichen Kosten entscheidend, und 35 Prozent können sich dank Leasing ein teureres Auto leisten als beim Kauf.
Bei der Finanzierung stehen andere Beweggründe im Vordergrund: 68 Prozent der Finanzierer geben an, dass sie sich durch monatliche Raten ein Fahrzeug leisten können, das sie sonst nicht auf einmal bezahlen könnten. Auch bessere Planbarkeit und finanzieller Spielraum spielen wichtige Rollen.
Bemerkenswert ist auch die Fahrzeugwahl: 74 Prozent der Finanzierer und 73 Prozent der Barkäufer bevorzugen Gebrauchtwagen, während bei Leasing-Interessierten dieser Anteil nur bei 42 Prozent liegt.