Schulden der Bundesländer steigen erneut

Die Verschuldung der deutschen Bundesländer ist in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. Nachdem die Gesamtverschuldung zwischen 2012 und 2019 deutlich zurückgegangen war, sorgten die Corona-Pandemie und anschließende Entwicklungen für eine erneute Zunahme.
Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede: Während Nordrhein-Westfalen mit Abstand die höchsten Gesamtschulden aufweist, liegt Bremen bei der Pro-Kopf-Verschuldung an der Spitze. Sachsen und Bayern schneiden bei der Pro-Kopf-Verschuldung besonders gut ab.
- Die deutschen Bundesländer waren zum 30. Juni 2026 insgesamt mit 646.181 Mio. Euro verschuldet.
- Nordrhein-Westfalen verzeichnete mit 182.001 Mio. Euro die höchsten Gesamtschulden.
- Bremen hatte mit 26.058 Mio. Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung.
- Sachsen wies mit 6.964 Mio. Euro die geringsten Gesamtschulden auf, Bayern mit 1.388 Euro die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung.
Wechselhafte Entwicklung der Schulden
Die Schuldenentwicklung der deutschen Bundesländer zeigt über die vergangenen Jahre einen wechselhaften Verlauf. Im Jahr 2012 belief sich die Gesamtverschuldung noch auf 644.929 Mio. Euro. Bis 2019 sank dieser Wert auf 579.136 Mio. Euro. Damit hatten die Länder ihre Verbindlichkeiten über mehrere Jahre hinweg deutlich reduziert.
Mit der Corona-Pandemie änderte sich dieser Trend. Ende 2021 summierten sich die Schulden bereits wieder auf 638.250 Mio. Euro. Bis Ende 2023 ging der Wert auf 595.418 Mio. Euro zurück, bevor die Verschuldung erneut zunahm. Zum Ende des zweiten Quartals 2026 erreichte sie schließlich 646.181 Mio. Euro.
Die Gesamtverschuldung liegt damit über dem Niveau von 2012. Die Entwicklung verdeutlicht, dass der zuvor erreichte Schuldenabbau nicht dauerhaft fortgesetzt wurde.
Schuldenstand der Bundesländer
| Schuldenstand der Bundesländer Q2 2026 | |||
|---|---|---|---|
| Länder | Schulden insgesamt (in Mio. EUR) | Einwohner pro Bundesland (in Mio.)* | Landesschulden pro Kopf (in EUR) |
| Baden-Württemberg | 50.433 | 11,239 | 4.487 |
| Bayern | 19.012 | 13,246 | 1.435 |
| Brandenburg | 22.887 | 2,552 | 8.968 |
| Hessen | 49.437 | 6,279 | 7.873 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 8.551 | 1,574 | 5.433 |
| Niedersachsen | 59.834 | 8,001 | 7.478 |
| Nordrhein-Westfalen | 182.001 | 17,986 | 10.119 |
| Rheinland-Pfalz | 28.968 | 4,123 | 7.026 |
| Saarland | 14.105 | 1,007 | 14.007 |
| Sachsen | 6.964 | 4,027 | 1.729 |
| Sachsen-Anhalt | 26.586 | 2,120 | 12.541 |
| Schleswig-Holstein | 32.309 | 2,959 | 10.919 |
| Thüringen | 15.419 | 2,079 | 7.417 |
| Berlin | 68.139 | 3,701 | 18.411 |
| Bremen | 26.058 | 0,707 | 36.857 |
| Hamburg | 35.478 | 1,870 | 18.972 |
| Insgesamt | 646.181 | 83,467 | 7.742 |
| Quellen: Statistisches Bundesamt 2026 * Erhebungszeitraum: 16.10.2026 |
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Nordrhein-Westfalen mit den höchsten Schulden
Bei der Betrachtung der absoluten Schuldenhöhe liegt Nordrhein-Westfalen deutlich vor den anderen Bundesländern. Zum 30. Juni 2026 beliefen sich die Verbindlichkeiten des Landes auf 182.001 Mio. Euro. Dahinter folgen Berlin mit 68.139 Mio. Euro und Niedersachsen mit 59.834 Mio. Euro.
Am unteren Ende des Rankings steht Sachsen. Der Freistaat verzeichnete Gesamtschulden von 6.964 Mio. Euro. Mecklenburg-Vorpommern lag mit 8.551 Mio. Euro ebenfalls vergleichsweise niedrig.
Die absoluten Werte allein erlauben allerdings nur einen eingeschränkten Vergleich. Schließlich unterscheiden sich die Bundesländer erheblich hinsichtlich ihrer Einwohnerzahlen. Für eine bessere Einordnung bietet sich deshalb auch die Pro-Kopf-Verschuldung an.
Bremen führt bei der Pro-Kopf-Verschuldung
Werden die Schulden ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt, ergibt sich ein anderes Bild. Bremen wies zum Ende des zweiten Quartals 2026 mit 36.857 Euro je Einwohner die höchste Pro-Kopf-Verschuldung auf. Dahinter folgten Hamburg mit 18.972 Euro und Berlin mit 18.411 Euro.
Auch das Saarland lag mit 14.007 Euro je Einwohner deutlich über dem Durchschnitt der Bundesländer. Dieser betrug zum genannten Stichtag 7.742 Euro.
Die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung verzeichnete Bayern mit 1.435 Euro je Einwohner. Sachsen folgte mit 1.729 Euro. Damit schneiden beide Länder nicht nur bei der Einordnung ihrer Gesamtschulden vergleichsweise gut ab, sondern weisen auch im Verhältnis zur Einwohnerzahl niedrige Werte auf.
Die Unterschiede zeigen, wie stark die Bewertung der Verschuldung von der gewählten Kennzahl abhängt. Ein bevölkerungsreiches Bundesland kann hohe Gesamtschulden haben, ohne zugleich bei der Pro-Kopf-Verschuldung an der Spitze zu liegen.
Hohe Schulden zwischen Zukunftsinvestitionen und finanziellen Risiken
Die Verschuldung öffentlicher Haushalte wird unterschiedlich bewertet. Befürworter verweisen darauf, dass Kredite wichtige Investitionen ermöglichen können, beispielsweise im Bereich Infrastruktur, Bildung und Digitalisierung. Solche Ausgaben können langfristig der gesamten Gesellschaft zugutekommen.
Kritiker betonen dagegen die Belastungen, die aus hohen Schulden entstehen können. Verbindlichkeiten schränken den finanziellen Spielraum öffentlicher Haushalte ein und können künftige Generationen belasten. Je höher die Verschuldung ausfällt, desto wichtiger wird daher ein verantwortungsvoller Umgang mit den verfügbaren Mitteln.
Mit der 2009 eingeführten Schuldenbremse sollten Bund und Länder ihre Neuverschuldung begrenzen. Die Corona-Pandemie stellte die öffentlichen Haushalte jedoch vor außergewöhnliche Herausforderungen und führte zu einer erneuten Zunahme der Schulden. Die Frage, wie sich notwendige Investitionen und eine nachhaltige Finanzpolitik miteinander vereinbaren lassen, bleibt damit zentral.
Fazit: Große Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 zeigen, dass sich die Verschuldung der deutschen Bundesländer seit dem Tiefstand von 2019 wieder erhöht hat.
Gleichzeitig unterscheiden sich die Länder deutlich: Nordrhein-Westfalen weist die höchsten absoluten Schulden auf, während Bremen bei der Pro-Kopf-Verschuldung an der Spitze liegt. Bayern und Sachsen verzeichnen dagegen die niedrigsten Werte bei der Pro-Kopf- beziehungsweise Gesamtverschuldung. Ein vollständiges Bild der finanziellen Lage ergibt sich allerdings erst, wenn neben der Schuldenhöhe auch die jeweiligen Einnahmen, Ausgaben und Investitionsbedarfe berücksichtigt werden.