Kredit-News im Mai 2026: Santander vor der Rückkehr, Verbraucherkreditgesetz umgesetzt und Sanierungsstau gefährdet Immobilien

Der Kreditmarkt bleibt in Bewegung – und das gleich auf mehreren Ebenen. Während der Gesetzgeber mit dem neuen Verbraucherkreditgesetz die Spielregeln für Millionen Kreditnehmer neu schreibt, zeigt sich andernorts, dass auch Banken ihre Entscheidungen bisweilen revidieren: Santander, erst vor zwei Jahren still und leise aus der Baufinanzierung ausgestiegen, liebäugelt offenbar bereits wieder mit der Rückkehr. Und wer zu Hause auf dem größten Vermögenswert seines Lebens sitzt – der eigenen Immobilie – sollte genau hinschauen: Denn wer notwendige Sanierungen auf die lange Bank schiebt, riskiert nicht nur steigende Energiekosten, sondern langfristig auch den Wert seiner vier Wände. Kurz gesagt: Der Mai hat es in puncto Kredit- und Immobilienfinanzierung in sich.
Santander kehrt um: Rückkehr in die Baufinanzierung geplant
- Santanders neuer Deutschland-CEO Petri Nikkilä erwägt laut Insider-Informationen einen Kurswechsel und die Rückkehr ins Baufinanzierungsgeschäft – zwei Jahre nach dem abrupten Exit im April 2024
- Im Management laufen bereits interne Berechnungen zu Risikokennzahlen und Rückstellungsbedarf; hauseigene Berater sollen erste Schulungen erhalten haben
Kaum zwei Jahre ist es her, da verabschiedete sich die Santander Consumer Bank überraschend und nahezu geräuschlos aus dem deutschen Baufinanzierungsmarkt. Begründet mit einer strategischen Neuausrichtung auf Kerngeschäftsfelder, damals noch unter CEO Vito Volpe. Für Vertriebspartner kam die Entscheidung seinerzeit aus heiterem Himmel.
Nun deutet sich ein bemerkenswerter Sinneswandel an. So soll der im Herbst 2025 neu installierte Vorstandschef Petri Nikkilä intern die Losung ausgegeben haben, eine Rückkehr ins Baufi-Geschäft ernsthaft zu prüfen. Dem Vernehmen nach werden im Management bereits konkrete Berechnungen angestellt, welche Auswirkungen ein Wiedereinstieg auf Risikokennzahlen und Rückstellungsbedarf hätte. Zudem sollen hauseigene Berater bereits entsprechende Schulungen erhalten haben – ein Indiz dafür, dass die Planungen über erste Überlegungen deutlich hinausgehen.
Ob und wann Santander tatsächlich ins Baufinanzierungsgeschäft zurückkehrt, ist noch offen. Das Institut wäre damit kein Einzelfall: Der Markt für Immobiliendarlehen zieht nach dem Ende des Zinstiefs wieder spürbar an, und mehrere Banken positionieren sich neu. Für Vermittler und Kreditnehmer wäre Santander als zusätzlicher Anbieter in jedem Fall eine willkommene Belebung des Wettbewerbs.
Sanierungsstau gefährdet Millionen Immobilien – und deren Wert
- 73 Prozent der befragten Eigentümer und Vermieter besitzen Immobilien, die älter als 25 Jahre sind – bei einem Fünftel liegt ein hoher oder sehr hoher Energieverbrauch vor
- Mit steigendem Alter sinkt die Sanierungsbereitschaft drastisch: Während unter 50-Jährige noch mehrheitlich Modernisierungen angehen, ist es ab 70 Jahren nur noch ein Viertel
- Die tatsächliche Sanierungsquote im Wohngebäudebestand liegt laut LBS bei nur 0,67 Prozent – die Deutsche Energie-Agentur Dena hält jedoch zwei Prozent für notwendig
Millionen Wohnimmobilien in Deutschland veraltern – und ihre Eigentümer schauen oft tatenlos zu. Das zeigt eine aktuelle LBS-Modernisierungsstudie. Zwar erkennen 62 Prozent der Eigentümer und Vermieter einen mittleren bis sehr hohen Modernisierungsbedarf, doch zwischen Absicht und Umsetzung klafft eine erhebliche Lücke. Hauptbremse sind die Kosten: Überschreiten Maßnahmen die 50.000-Euro-Marke, ziehen viele Eigentümer einen Verkauf der Immobilie einer Sanierung vor.
LBS-Experte Martin Englert warnt: „Jede nicht durchgeführte Modernisierung gefährdet letztlich auch den Wert der eigenen Immobilie.“ Als zentralen Hebel sieht er eine bessere staatliche Förderung – ein Wunsch, den laut Studie über 80 Prozent der Befragten teilen. Besonders junge Familien stecken im Dilemma: Sanierungen finden oft nur direkt nach dem Kauf statt – doch hohe Preise und wenig Eigenkapital machen genau das für viele.
Neues Verbraucherkreditgesetz: Bundestag zieht Schuldenbremse für Verbraucher
- Der Bundestag hat am 17. April 2026 die EU-Verbraucherkreditrichtlinie umgesetzt – eines der größten verbraucherpolitischen Gesetzgebungsvorhaben der letzten Jahre, das viele Millionen Menschen betrifft
- Kernpunkte sind strengere Kreditwürdigkeitsprüfungen, neue Regeln für „Buy now, pay later“ sowie ein verbesserter Schutz sensibler Verbraucherdaten
- Kredite zur Immobilienfinanzierung fallen nicht unter das neue Gesetz
Ratenkauf per Klick, Dispo im Handumdrehen, Finanzierung beim Online-Checkout – die Wege in die Verschuldung sind heute so bequem wie nie. Der Bundestag hat nun gegengesteuert und ein umfassendes Reformpaket verabschiedet. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) betonte, das Gesetz ziele auf mehr Transparenz und einen besseren Schutz vor Schuldenfallen – insbesondere bei „Buy now, pay later“-Angeboten, die Kunden dazu verführten, ihre Verbindlichkeiten zu unterschätzen.
Konkret wird die Bonitätsprüfung verschärft: Künftig dürfen weder Daten aus sozialen Netzwerken noch Gesundheitsdaten beim Scoring verwendet werden. Zudem ist das Erstellen von Scorewerten für Minderjährige ausdrücklich ausgeschlossen. Verbraucher erhalten außerdem das Recht auf eine menschliche Überprüfung bei rein automatisierten Kreditentscheidungen.
Nicht alle sind zufrieden: Grünen-MdB Stefan Schmidt kritisierte den Verzicht auf die Schriftform bei Online-Krediten als „das genaue Gegenteil von Verbraucherschutz“. Auch die Deutsche Kreditwirtschaft meldete Einwände an. Das neue Gesetz löst die bisherige EU-Verbraucherkreditrichtlinie aus dem Jahr 2008 ab.