Kredit-News im August 2026: Check24 Rückzug, Zinsstopp und Mittelstand in Kreditklemme

Der Kreditmarkt zeigt sich im August 2026 von seiner widersprüchlichen Seite: Während sich Banken bei der Vergabe so restriktiv verhalten wie nie zuvor, tut sich zugleich beim größten deutschen Vergleichsportal ein überraschender Rückzug auf: Check24 gibt die eigene Baufinanzierungsvermittlung ab. Immerhin gibt es auch eine vorsichtig positive Nachricht: Die Zinsspirale bei Verbraucherkrediten dreht sich laut Bankenprognosen im dritten Quartal wohl nicht weiter nach oben. Ganz billig wird ein Kredit damit zwar nicht, aber wer die Angebote vergleicht, kann sich weiterhin deutliche Ersparnisse sichern. In dieser Ausgabe blicken wir auf drei Entwicklungen, die zeigen, wie unterschiedlich sich Angebot, Nachfrage und Konditionen auf dem deutschen Kreditmarkt gerade auseinanderbewegen.
Check24 zieht sich aus der Baufinanzierungsvermittlung zurück – Kooperationspartner soll übernehmen
- Check24 stellt die eigene Beratung und Vermittlung von Baufinanzierungen ein und begründet dies mit wirtschaftlichen und strategischen Erwägungen
- Rund 150 bis 160 Mitarbeitende sind von der Umstrukturierung betroffen
- Kunden sollen Baufinanzierungen weiterhin über das Check24-Portal abschließen können – künftig vermittelt durch einen noch nicht genannten externen Kooperationspartner
Das Vergleichsportal Check24 beendet seinen eigenen Geschäftsbereich für die Vermittlung von Immobilienkrediten. Wie das Unternehmen auf Presseanfragen bestätigte, seien dafür wirtschaftliche und strategische Faktoren ausschlaggebend. Von der Umstrukturierung betroffen sind nach Unternehmensangaben und übereinstimmenden Presseberichten rund 150 bis 160 Beschäftigte. Für sie gebe es entweder alternative Stellenangebote innerhalb des Unternehmens oder Abwicklungsvereinbarungen mit einer marktüblichen Abfindung.
Für Verbraucher ändert sich zunächst wenig: Das Portal bleibt als Vergleichs- und Abschlussweg bestehen, Check24 wirbt weiterhin mit mehr als 650 Finanzierungspartnern. Die Vermittlung selbst übernimmt künftig jedoch ein externer Kooperationspartner, dessen Name ebenso offenbleibt wie der genaue Umstellungstermin.
Der Rückzug fällt in eine Phase, in der der Baufinanzierungsmarkt keineswegs schwächelt: Laut Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) sind die Immobiliendarlehen im ersten Quartal 2026 sogar gestiegen. Der Schritt dürfte also weniger mit der Marktlage als mit der hohen Beratungsintensität und dem Wettbewerbsdruck im BauFi-Geschäft zusammenhängen.
Rekordhoch bei der Kredithürde: Mittelstand kommt so schwer an Bankkredite wie nie
- 40,5 Prozent der kreditinteressierten Mittelständler berichten laut KfW-ifo-Kredithürde von restriktiver Kreditvergabe – Rekordwert seit Beginn der Erhebung 2017
- Einzelhandel besonders betroffen: Mehr als jedes zweite Unternehmen meldet erschwerten Kreditzugang
- Gleichzeitig sinkt die Nachfrage: Nur noch 19,3 Prozent der Mittelständler führten im zweiten Quartal 2026 überhaupt Kreditgespräche – Tiefstand seit Ende 2023
Der Zugang zu Bankkrediten wird für den deutschen Mittelstand immer schwieriger. Laut der aktuellen KfW-ifo-Kredithürde berichteten im zweiten Quartal 2026 vier von zehn kreditinteressierten kleinen und mittleren Unternehmen von einer restriktiven Kreditvergabe ihrer Banken – ein Anstieg um 6,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal und der höchste Wert seit Start der Umfrage 2017. Besonders hart trifft es den Einzelhandel, wo inzwischen mehr als die Hälfte der Betriebe von Zugangsbeschränkungen berichtet – ein neuer Höchstwert. Auch im Verarbeitenden Gewerbe (40,8 Prozent) und bei Dienstleistern (42,4 Prozent) wurden Rekordniveaus erreicht. Selbst Großunternehmen bleiben nicht verschont: 32,9 Prozent von ihnen klagen über strengere Kreditbedingungen.
Als Ursache nennt KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher die angespannte Konjunktur, die sich zunehmend in schwächeren Bilanzen, sinkenden Eigenkapitalquoten und schlechteren Ratings niederschlägt. Banken reagieren darauf mit höheren Risikoaufschlägen und härteren Konditionen. Parallel dazu geht die Kreditnachfrage selbst zurück: Nur 19,3 Prozent der Mittelständler führten im zweiten Quartal Finanzierungsgespräche – der niedrigste Stand seit Ende 2023. Als Grund gilt unter anderem die durch den Nahost-Konflikt gedämpfte Investitionsstimmung.
Kreditzinsen bleiben hoch – Banken erwarten für das dritte Quartal 2026 aber keinen weiteren Anstieg
- Kreditzinsen verharren im dritten Quartal 2026 voraussichtlich bei rund 8,5 Prozent im Bundesdurchschnitt – 58,3 Prozent der befragten Banken erwarten keinen weiteren Anstieg
- Kreditvergaberichtlinien bleiben laut 63,6 Prozent der Banken unverändert streng
- Durch Anbietervergleich lassen sich weiterhin Zinsen zwischen fünf und sechs Prozent erzielen – ein Vergleich kann bei größeren Kreditsummen mehrere Tausend Euro sparen
Nach mehreren Quartalen mit Zinssteigerungs-Erwartungen zeichnet sich laut einer aktuellen Umfrage des Vergleichsportals smava unter seinen Partnerbanken eine leichte Entspannung ab: Für das dritte Quartal 2026 rechnet die Mehrheit der Banken (58,3 Prozent) damit, dass die Kreditzinsen in Deutschland nicht weiter steigen – bezogen auf die eigene Bank sind es sogar 72,7 Prozent. Sinkende Zinsen schließen die befragten Institute jedoch vorerst aus: Wer bis Ende September einen Kredit abschließt, muss laut Prognose weiterhin mit rund 8,5 Prozent oder mehr rechnen.
Auch bei der Kreditvergabe selbst ist keine Lockerung in Sicht: 63,6 Prozent der Banken erwarten für den Gesamtmarkt konstant strenge Vergaberichtlinien, mit Blick auf die eigene Bank sogar 72,7 Prozent. Eine Kreditzusage zu bekommen, bleibt damit anspruchsvoll, aber laut smava weiterhin realistisch. Entscheidend für Verbraucher ist, dass zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot weiterhin durchschnittlich rund drei Prozentpunkte liegen. Wer vergleicht, kann laut smava-CEO Alexander Artopé Kredite mit 5 bis 6 Prozent statt 8,5 Prozent abschließen – bei einem 60.000-Euro-Kredit über 84 Monate ein Unterschied von über 8.000 Euro an Zinskosten.