Eigenkapitalanforderungen an Banken – aktuelle Entwicklungen und Forderungen

Um eine Überschuldung zu umgehen sowie um in Krisenzeiten mit Geldreserven gewappnet zu sein, verpflichtet die Regierung die Banken, mehr Eigenkapital zurückzulegen als bisher. Großen oder riskant agierenden Banken soll eventuell sogar generell ein höheres Eigenkapital abverlangt werden, damit diese nicht zu schnell zum Rettungsfall werden.

Die derzeitigen Eigenkapitalvorschriften basieren auf dem Regelwerk „Basel II“. Das Eigenkapital der Kreditinstitute dient dazu, Kreditausfälle oder Kursverluste zu verkraften. Banken müssen ihre Risikoaktiva zu mindestens acht Prozent mit Eigenkapital unterlegen.

Das nötige Geld für das Eigenkapital ist allerdings nur schwer zu beschaffen und dazu noch sehr teuer; denn Anleger zögern gerade in Krisenzeiten, neu herausgegebene Aktien der Banken zu erwerben. Das Interesse der Kreditinstitute an einem angemessenen Eigenkapital hält sich somit in Grenzen.

Die Geldhäuser haben viel weniger Kapital als andere Unternehmen, dadurch können sie schneller in eine Schieflage geraten. Da es für viele Banken sehr schwer ist, neues Kapital zu beschaffen, reduzieren sie die so genannte Risikoaktiva und somit die Kreditvergabe. Die Kreditklemme der Unternehmen basiert also hauptsächlich auf der Kapitalknappheit der Banken. Erschwerend kommt hinzu, dass im Abschwung das Kapital durch die Verluste reduziert wird, die höheren Ausfallrisiken gleichzeitig die Banken allerdings dazu zwingen, mehr Kapital vorzuhalten. Kredite werden somit immer knapper.

Das zögerliche Verhalten der Banken bei der Vergabe neuer Kredite ist übrigens auch einer der Gründe, warum Verbraucher immer öfter auf Kreditvermittler wie Bon-Kredit zurückgreifen und Kreditplattformen wie smava einen wahren Boom erleben.

Notenbanken und Regierungschefs fordern, dass Banken künftig mehr und hochwertiges Kapital erhalten, damit ein Polster für schlechte Zeiten angelegt werden kann. Außerdem sollen sich die Geldhäuser mehr an Basel II orientieren und Risikogeschäfte offenlegen und dafür auch mehr Eigenkapital vorweisen.

Wie die Süddeutsche Zeitung  in ihrer Ausgabe vom 08.09.2009 berichtet, fordert eine Gruppe angesehener amerikanischer Ökonomen in einem Arbeitspapier, dass an große Banken höhere Kapitalanforderungen gestellt werden sollten als an kleine. Begründet wird die Forderung damit, dass die Folgen einer Kapitalknappheit oder gar einer Pleite einer großen Bank für die Gesamtwirtschaft und das Finanzsystem größer ist, als wenn mehrere kleine Banken zusammenbrechen. Neben dem Risiko des Ausfalls sinkt auch der Anreiz, immer größer zu werden.

Der globale Bankenverband IIF dagegen warnt vor zu strengen Anforderungen, denn diese führten dazu, dass vor allem Kredite für Selbstständige nur zögerlich vergeben werden und letztlich das Wirtschaftswachstum gehemmt wird. Wichtig ist, dass die Banken in der Lage bleiben, Gewinne zu erzielen, damit es zu keiner Unterversorgung mit Krediten kommt. Dabei sollten die Anforderungen an das Eigenkapital stark von den Risiken abhängig gemacht werden, die eine Bank eingeht, genau wie es auch das Regelwerk Basel II vorsieht.

Damit ein fairer Wettbewerb zustande kommt, fordert die IIF, dass die Kapitalvorschriften weltweit angeglichen werden.