Es ist der Tag der halbjährlich in Frankfurt, dem Sitz der Bundesbank, abgegebenen Prognosen. Und an diesem Tag kommt eine Prognose, die härter ist als jede andere, bisher in diesem Jahr abgegebene, egal, ob es von der Bundesregierung oder einem der Wirtschaftsexperten oder Wirtschaftsinstitute war. Die Rezession, die sich derzeit durch unser Land zieht und sowohl die Finanzwelt wie auch die Wirtschaft in Atem hält und die Konjunktur immer mehr nach unten drückt, ist schärfer als bisher gedacht. Dies gab zumindest die Bundesbank heute als Prognose aus.
So ist die Wirtschaftsleistung in unserem Land laut Bundesbank sehr stark rückläufig gewesen. Dies ist natürlich eine scharfe Luft, die uns entgegen schlägt und einem schon sehr Angst machen könnte. Dennoch schreibt die Zentralbank Deutschlands zugleich auch vom gesamten Jahresverlauf dieses Jahres, in dem „der Abwärtsdruck auf die deutsche Wirtschaft nachlassen“ dürfte, „eine durchgreifende Belebung zeichnet sich in naher Zukunft jedoch nicht ab. Das Preisklima bleibt dabei konjunkturstützend.“
Doch gerade die Talfahrt, welche in der ganzen Weltwirtschaft zu konjunkturellen Problemen führte, brachte einen Einbruch des globalen Handels, der schlimmer war, als zuvor gedacht worden war. Und so wird auch Deutschland, als Exportweltmeister stärker als gedacht unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise leiden müssen. Die Bundesbank prognostiziert einen Rückgang des preisbereinigten BIP, des Bruttoinlandproduktes, um 6,2 Prozent. Hier sieht die deutsche Zentralbank vor allem die Gründe im starken Einbrechen der Konjunktur im Winterhalbjahr 2008/2009. Dennoch gab die Bundesbank heute zugleich auch eine positive Richtung vor und schreibt in ihrer heute veröffentlichten Halbjahres-Prognose: „Mit der schrittweisen Entspannung an den internationalen Finanzmärkten, der Aufhellung der Erwartungen und unterstützt durch umfangreiche geld- und fiskalpolitische Impulse könnte die deutsche Wirtschaft in den Sommermonaten 2009 wieder Boden finden.“
Und auf für das kommende Jahr wird eine weiterhin nicht gerade berauschende Aktivität unserer Konjunktur voraus gesehen: „Für 2010 zeichnet sich aus heutiger Sicht – trotz einer leichten Belebung im Jahresverlauf – eine unverändert niedrige Wirtschaftsaktivität ab. Der gesamtwirtschaftliche Auslastungsgrad wird gemäß diesem Basisszenario deutlich zurückgehen, so dass sich die deutsche Wirtschaft auch noch im Jahr 2010 in einer Phase hoher konjunktureller Unterauslastung befindet.“
Für den Arbeitsmarkt sieht die Bundesbank in ihrer Prognose schlechte Zeiten kommen. Noch würde die Reaktion auf die Entwicklung der Aktivität der Gesamtwirtschaft abgebremst durch die Anpassung von Arbeitszeit an die rückläufige Produktion, vor allem die hohe Zahl an Kurzarbeit und den Abbau von Überstunden. Dennoch ist für die kommenden Quartale mit einem vermehrten Abbau von Arbeitsplätzen zu rechnen – und damit in der Folge auch mit einer stärker ansteigenden Zahl von Arbeitslosen. So rechnet die Bundesbank für die Mitte des nächsten Jahres mit 4,4 Millionen Erwerbslosen, was einer Arbeitslosenquote von 10,5 Prozent entspricht. Dies wären etwa eine Million mehr gemeldete Arbeitslose als noch im Mai dieses Jahres, wo die Arbeitslosenzahl bei 3,456 Millionen und die Quote bei 8,2 Prozent lag. Dies ist ein Rückgang gegenüber April 2009, ist jedoch wohl, auch angesichts der Prognose der Bundesbank, nur als kurzzeitige Besserung zu bewerten.
Zur Preisentwicklung gab die Notenbank Deutschlands eine positive Vorausschau ab: „Als Spätfolge der bis in den Sommer 2008 anhaltenden kräftigen Verteuerung von Energie und Nahrungsmitteln und der sich anschließenden partiellen Korrektur wird die Vorjahrsrate der Verbraucherpreise in den kommenden Monaten vorübergehend ins Negative drehen. Der mittelfristige Preistrend wird jedoch voraussichtlich im positiven Bereich bleiben, so dass die Vorjahrsraten gegen Jahresende 2009 wieder zunehmen dürften. Auf Jahressicht bleibt das Preisniveau 2009 stabil. Im Jahr 2010 dürfte es hingegen um 0,5 % steigen.“
Alles in allem eine sehr unterschiedliche Prognose. Wichtig ist nur, dass sich der hohe Anstieg der Arbeitslosenquote nicht bewahrheitet und dass es möglich sein wird in der Zwischenzeit, durch eingreifende Maßnahmen wie zum Beispiel den Wirtschaftsfonds Deutschland und andere konjunkturelle Hilfen diesem Anstieg rechtzeitig entgegen zu wirken. Außerdem müssen die Banken dringendst ihre Geschäftspraktiken ändern in Bezug auf die Vergabe von Krediten und hier sowohl die Kreditzinsen senken als auch mehr Kredite an Selbstständige und Unternehmen vergeben, damit es diesen möglich ist, einen antizyklischen Weg zu gehen und in diesen Zeiten zu investieren, statt zu sparen, um in der Zukunft vorne mitspielen zu können in der Wirtschaft unseres Landes. Es wird also Zeit für einen Umschwung, damit der Aufschwung früher zurückkehren und die Folgen der gegenwärtigen – noch immer nicht entschärften – Rezession besser und schneller abfangen kann.
