Die Merkmale eines Passivhauses

Auf dieser Seite beleuchten wir nun die einzelnen Merkmale eines Passivhauses näher. Hierbei haben wir für Sie die wichtigsten Fakten zusammengestellt und erläutern die Gründe für die einzelnen Merkmale genau.

Folgende Abschnitte haben wir dafür ausgearbeitet:

Was ist ein Passivhaus?

Ein Passivhaus ist ein Gebäude, in dem ein angenehmes Innenklima ohne aktives Heizungs- und Klimatisierungssystem erreicht werden kann; das Haus „heizt“ und „kühlt“ sich eben rein passiv.

Voraussetzung hierfür ist eine Reduzierung des spezifischen Jahresheizwärmebedarfs des Hauses auf einen Wert von <= 15 kWh / (m² * a). (In Worten: Der Heizwärmebedarf beträgt weniger als 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Wohnnutzfläche und Jahr). Wobei eine kWh in etwa 0,125 l Heizöl bzw. 0,134 m³ Gas entspricht.

Das bedeutet also, dass ein Passivenergiehaus von beispielsweise. 150 m² Wohnnutzfläche einen jährlichen Heizölverbrauch von weniger als 281,25 l (15 kWh / (m² * a) * 150 m² * 0,125 l ) bzw. einen Gasverbrauch von weniger als 301,5 m³ pro Jahr hat.

Der vorgenannte niedrige Jahresheizwärmebedarf darf allerdings nicht auf Kosten hoher zusätzlicher Verbräuche an anderen Energieträgern ( z.B. Strom ) erreicht werden. Vielmehr darf der gesamte spezifische Energiebedarf pro m² Wohnnutzfläche in einem europäischen Passivhaus 42 kWh / (m² * a) nicht überschreiten.

Damit wird in einem Passivhaus insgesamt weniger Energie verbraucht, als in durchschnittlichen europäischen Neubauten allein an Haushaltsstrom und für die Warmwasserbereitung benötigt wird.

Der gesamte Energieverbrauch eines Passivhauses beträgt max. 25 % des durchschnittlichen Verbrauchs in Neubauten nach den jeweils geltenden nationalen Vorschriften. (Bei uns die Energieeinsparverordnung in aktueller Fassung).

Noch vor einigen Jahren waren die Kosten für die konstruktiven Maßnahmen zur Erzielung dieser Resultate derartig hoch, dass Passivhäuser nur als Forschungs- und Erprobungsmodelle errichtet wurden. Mittlerweise lassen sich Passivhäuser jedoch auch kosteneffizient erstellen, was auch durch diesen Ratgeberbereich untermauert werden soll.

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Die kompakte Außenhülle

Ein Haus kühlt überhaupt nur soweit aus, wie es Wärme nach außen verliert. Dieser Wärmeverlust wird in einem Passivhaus durch die einfallende Sonnenwärme, innere Wärmeabgabe durch Bewohner und Geräte sowie durch eine Erwärmung der Zuluft in einer Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ausgeglichen.

Die Transmissionsverluste eines Passivhauses über seine Gebäudehülle müssen daher auf ein Minimum reduziert werden. Je kleiner die Flächen sind, über die Wärme nach außen abfließen kann, desto einfacher lässt sich dieses Ziel realisieren.

So hat zum Beispiel ein Satteldach (45°) auf einer Grundfläche von 10 m * 10 m eine Gesamtdachfläche von ca. 160 m², ein Pultdach (12°) bei gleicher Grundfläche nur ca. 115 m² Dachfläche.

Dieses kleine Beispiel zeigt, dass es relativ einfach ist, durch entsprechende Planung, einerseits die durch Wärmeverluste „bedrohte“ Fläche zu verkleinern und andererseits Kosten zu senken (weniger Dämmung, weniger Dachdeckung, einfachere Konstruktion, weniger Holz usw.).

Ein zweiter wichtiger Punkt, der für eine kompakte Außenhülle spricht, ist die Tatsache, dass es damit im Detail einfacher ist, eine annähernd wärmebrückenfreie Gebäudehülle zu erstellen. Zumal ein Passivhaus in diesem Punkt keine Fehler verzeiht. Ziel bei der Planung der Außenhülle ist es also die oben erwähnten Transmissionsverluste des Gebäudes so klein wie möglich zu halten.

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Die Luftdichtheit der Gebäudehülle

Die Luftdichtheit der Gebäudehülle sichert Bauteile vor Feuchteschäden und erhöhten Wärmeverlusten.

Durch konstruktive Maßnahmen soll verhindert werden, dass feucht warme Raumluft in die Bauteilkonstruktion eindringt und dort für Feuchteschäden bzw. für erhöhte Wärmeabgabe sorgt.

So darf bei Gebäuden mit natürlicher Lüftung bei einer Luftdichtheitsmessung nach dem sog. Blower-Door-Verfahren der gemessene Luftvolumenstrom bezogen auf das Raumluftvolumen den Wert von n 50 = 3,0 h –1 nicht überschreiten.

Das heißt, dass bei einem Drucktest mit einem Luftdruckunterschied von 50 Pascal in einer Stunde nicht mehr als das 3,0 – fache Luftvolumen aus dem Gebäude entweichen darf.

Bei Passivhäusern mit geregelter Lüftung und Wärmerückgewinnung muss dieser Wert bei n 50 < = 0,5 h –1 liegen.

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Kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung (> 80%)

Lüftung in einem Gebäude ist unentbehrlich. Für ein gesundes Raumklima ist ein Mindestmaß an Luftwechsel in den Räumen unbedingt erforderlich.

So muss z.B. durch die Lüftung Feuchtigkeit, die beim Duschen, Baden, Waschen, Kochen usw. entsteht, aus dem Gebäude heraustransportiert werden.

Des Weiteren entsteht Feuchtigkeit durch die Abgabe von Zimmerpflanzen und auch die Bewohner des Hauses geben Wasserdampf ab (50-100 g pro Stunde).

Ohne den Transport dieser feuchten Luft nach Außen könnte es neben negativen Einflüssen auf die Behaglichkeit auch zu Kondensationserscheinungen an Wand- und Deckenoberflächen und als Folge zu Schimmelpilzbildung und Bauschäden kommen.

Eine weitere Aufgabe der Lüftung ist die Abfuhr von Geruchs- und Schadstoffen z.B. durch Ausdünstungen von Anstrichen, Möbeln usw.

Und schließlich muss durch die Lüftung sichergestellt werden, dass verbrauchte, sauerstoffarme und mit Kohlendioxid angereicherte Atemluft kontinuierlich gegen frische ausgetauscht wird.

Um alle vorgenannten Anforderungen an die Lüftung zu erfüllen, ist ein 0,5 bis 0,8-facher Luftwechsel pro Stunde erforderlich.

Da der Luftaustausch bei freier Lüftung (über Fenster) stark vom Wind und von thermischen Auftriebsbedingungen abhängig ist, kann hierbei von unkontrollierter Lüftung gesprochen werden. Um den oben erwähnten Luftwechsel sicherzustellen, müsste man zudem alle zwei Stunden in bewohnten Räumen die Luft einmal durch Lüften erneuern, was durch zeitweise Abwesenheit der Bewohner fast gar nicht zu realisieren ist.

Außerdem kommt es hierbei in der Heizperiode zu nicht vermeidbaren Zugerscheinungen und somit zur Unbehaglichkeit für die Bewohner, von den Wärmeverlusten in dieser Zeit gar nicht zu reden.

Diese Erkenntnisse führen fast zwangsläufig zu der Überlegung, kontrolliert und kontinuierlich zu lüften und die Lüftungswärmeverluste durch den Einsatz eines Wärmetauschers, der die Energie aus der warmen Abluft auf die kalte Frischluft überträgt, zu minimieren.

Für ein Passivhaus ist daher eine zentrale Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (>= 80%) und evtl. einer Wärmepumpe zur Brauchwassererwärmung bzw. Restwärmedeckung unbedingt erforderlich.

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Das Prinzip der Wärmerückgewinnung

Die Außenluft wird vom Zentralgerät über eine Öffnung in der Außenwand (im Winter über einen Erdreichwärmetauscher bei Temperaturen < ca. 6° Celsius) angesaugt, gefiltert, durch einen Kreuzwärmetauscher und evtl. mittels Nachheizregister erwärmt und dann über weitere Luftkanäle zu den Wohn- und Schlafräumen geführt und dort über kleine unauffällige Luftauslässe eingeleitet.

Gleichzeitig wird die Abluft aus Küche, Bad, WC und evtl. anderen Räumen mit hohem Feuchte- oder Geruchsstoffanteil abgesaugt; über den Kreuzwärmetauscher geleitet, (ohne direkte Verbindung mit der frischen Zuluft) gelangt sie über ein Rohrsystem ins Freie.

Eine kontinuierliche Durchlüftung des gesamten Gebäudes wird durch Überströmöffnungen unter den Türen oder über Lüftungsgitter gewährleistet.

Modifizieren lässt sich die Anlage durch den Einsatz einer kleinen Wärmepumpe, die der Fortluft Energie zur Brauchwassererwärmung und ggf. zur Nacherwärmung der Zuluft entzieht. Zur Brauchwassererwärmung bieten sich außerdem Solarkollektoren an.

Für das Zu- und Abluftrohrsystem kommen üblicherweise korrosionsbeständige runde Rohre aus Kunststoff zum Einsatz. Ihre Durchmesser betragen bis zu 200 mm (für Hauptstrang). Geführt werden sie z.B. unter abgehängten Decken. Um die Ventilatorleistung (ca. 2 * 40 W) möglichst gering zu halten, sollten die Kanäle möglichst kurz gestaltet werden.

Sinnvoll ist auch der Einsatz von einfachen Schalldämpfern in den Rohrleitungen nahe des Lüftungsgerätes um den Transport von Betriebsgeräuschen vom Zentralgerät in die angeschlossenen Räume zu verhindern.

Weitere wichtige Bestandteile der Lüftungsanlage sind die Luftfilter. Sie halten Verschmutzungen in der Außenluft (Staub, kleine Partikel, allergieauslösende Pollen usw.) zurück, bevor die Zuluft in die Wohnräume eingeleitet wird und ist somit wesentlich reiner als bei einer Lüftung über Fenster.

Die Filterung der Außenluft dient aber auch dazu, die Lüftungsanlage sauber zu halten.

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Lüftungsmaßnahmen und Wohnqualität

Nach neuesten Erkenntnissen über die Wohnbehaglichkeit eines Gebäudes ist vor allem die Temperatur der raumumschließenden Oberflächen für das Wohlbefinden seiner Bewohner entscheidend.

Durch den hervorragenden Wärmeschutz der Außenbauteile eines Passivenergiehauses in Verbindung mit der kontrollierten Wohnungsbelüftung, die zusammen dafür sorgen, dass die Innenoberflächentemperaturen ein konstant hohes Niveau aufweisen, wird dieser Forderung Rechnung getragen.

Nach Untersuchungen in der Schweiz hat das damit erreichte Raumklima eine äußerst positive Auswirkung auf die Gesundheit der Bewohner eines solchen Gebäudes.

Hinzu kommt die ausgezeichnete Luftqualität, die durch den Einsatz der kontrollierten Be- und Entlüftungsanlage, die Schadstoffe, Problem- und Geruchsstoffe sicher beseitigt und gleichzeitig für die nötige Frischluftzufuhr sorgt, erreicht wird.

Gerade dieser Punkt wird von den Bewohnern von Passivenergiehäusern immer wieder ausdrücklich gelobt.

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Die Ausnutzung passiver solarer Gewinne

Solare Wärmegewinne entstehen in Gebäuden überwiegend durch diejenige solare Strahlung, die durch Fenster in das Gebäudeinnere gelangt, dort absorbiert und in Wärme umgewandelt wird.

Die solare Strahlung setzt sich aus der direkten Strahlung und der diffusen Himmelsstrahlung zusammen. Letztere fällt im Winter bevorzugt auf südorientierte Flächen. In der Übergangszeit auf Flächen nach Süd, Ost und West und im Sommer besonders intensiv auf Flächen in Ost- und Westrichtung.

Um also im Winter, der Heizperiode, Nettosolargewinne zu erzielen, sind an ein Passivenergiehaus folgende elementare Forderungen zu stellen:

  • Ausrichtung des Gebäudes nach Süden; mit großen Fensterflächen nach Süden.
  • Die Qualität transparenter Bauteile (Fenster) muss derartig gut sein, dass zwar viel Wärme ins Gebäude gelangt, aber nur wenig wieder hinaus (kleiner U-Wert; großer g-Wert).

Es ist ökologisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll, den gesamten Baukörper als Solarkollektor zu konzipieren.

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Die Fenster des Passivhauses

Erst die Entwicklung von Fenstersystemen mit sehr niedrigen U–Werten hat den Passivenergiehausbau erst möglich gemacht. Nur so ist es möglich, die Südseite eines Gebäudes großflächig zu verglasen und somit auch im Winter zu Nettosolargewinnen zu kommen.

Durch die hohe Qualität der verwendeten Fenstersysteme ist es auch möglich geworden, im Inneren des Gebäudes anders als bisher zu planen. So können z.B. Essplatz oder Sitzecke direkt an der Verglasung platziert werden, ohne dass es zu unangenehmen Zugerscheinungen kommt.

Für den Passivhausbau sind daher Uw – Werte des Fenstersystems von  < = 0,8 W / (m² * K)
zu fordern. Damit diese Werte erreicht werden, müssen alle Komponenten eines Fenstersystems optimiert werden, was heute aber relativ kostengünstig zu realisieren ist:

Fenstergläser mit optimiertem Randverbund, zum anderen der Fensterrahmen und zum dritten der Einbau der Fenster in die Gebäudehülle.

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Definitionen wichtiger technischer Werte

Für eine genauere Betrachtung dieser Komponenten sollen im Folgenden einige Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang kurz erläutert werden:

  1. Uw – Wert [W/(m² * K)] ist die Wärmedurchgangszahl für das gesamte Fenstersystem.
  2. Ug – Wert [W/(m² * K)] ist die Wärmedurchgangszahl für die Verglasung.
  3. Uf – Wert [W/m² * K)] ist die Wärmedurchgangszahl für den Fensterrahmen.
  4. g – Wert [%] ist ein Maß für den Energiedurchlass einer Verglasung. Der % -Wert ist als 0 % für eine geschlossene Wand und als 100 % für ein geöffnetes Fenster definiert.
  5. TL – Wert [%] ist eine Angabe über die Lichtdurchlässigkeit im Bereich der Wellenlänge des sichtbaren Lichtes (380 nm – 780 nm). Der % – Wert ist bezogen auf die Helligkeitsempfindlichkeit des menschlichen Auges.

Problematisch ist die Wahl des richtigen g – Wertes eines Fenstersystems. Im Winter wünscht man sich einen möglichst großen Wert, damit möglichst viel Wärmeenergie ins Gebäude gelangt, während im Sommer der Wert möglichst gering sein sollte, damit es im Inneren nicht zu einer zu großen Aufheizung kommt.

Da es im Normalfall nicht möglich ist, beides zu realisieren, entscheidet man sich für einen Kompromiss, der bei einem g-Wert von ca. 60 % liegt.

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Die Fensterrahmen

Die geforderten Uf – Werte von ca. 0,8 des Fensterrahmens lassen sich mit herkömmlichen Materialien kaum realisieren. Dieser Forderung am nächsten kommen noch großvolumige Holzfenster, mit Rahmenstärken um die 100 mm; aber auch nur dann, wenn der Blendrahmen vollständig in einen Hartschaumanschlag eingebaut wird.

Von den marktführenden Kunststoffrahmen mit großformatiger Stahlverstärkung sind die geforderten U – Werte i.d.R. nicht erreichbar. Für den Passivenergiehausbau sind aber inzwischen Fensterrahmen aus Polyurethan – Integralschaum bzw. Kombinationen mit anderen Materialien entwickelt worden, die diese Werte erreichen.

Da die Vorder- und Rückseiten dieser Elemente aus Holz bestehen, sind sie von Holzfenstern kaum zu unterscheiden und sind auch sonst wie solche zu behandeln. Auch lassen sich damit Holz –Alu – Fenster (Die Außenseite wird mittels aufgeschraubter Alu – Elemente noch besser geschützt) ohne Probleme herstellen.

Farblich sind sowohl bei Holz als auch bei Alu auf der Außenseite alle bekannten Farbtöne machbar (RAL). Beim Einbau solcher Fensterrahmen ist ganz besonders auf eine wärmedämmende und luftdichte Anschlussfuge zur Wandkonstruktion hin zu achten.

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Die Wärmeschutzverordnung

Die für ein Passivenergiehaus nötige Wärmeschutzverglasung besteht aus einer Dreifachverglasung.
Die Scheibenzwischenräume werden wegen ihrer schlechteren Wärmeleitfähigkeit vornehmlich mit den Edelgasen Argon oder Krypton gefüllt.

Zum Vergleich:

Die Wärmeleitfähigkeit von Krypton liegt bei 0,009 W/(mK); Argon liegt bei 0,017 W/(mK) und Luft bei 0,026 W/(mK), wobei Krypton teurer als Argon ist. Durch den Einsatz der Edelgase wird also die Wärmeleitung zwischen den Gläsern vermindert.

Zusätzliche Beschichtungen zwischen den Glasscheiben reduzieren die Wärmeübertragung durch Wärmestrahlung und tragen somit wesentlich zur Wärmedämmung der Verglasung bei.

Ein weiterer wichtiger Punkt zur Reduzierung der Wärmeverluste bei der Verglasung eines Fensters stellt der Randverbund der Glasscheiben dar. Bei herkömmlichem Isolierglas bildet der metallische Abstandhalter (in der Regel aus hochwärmeleitendem Aluminium hergestellt) eine nicht zu unterschätzende Wärmebrücke.

In der Praxis zeigt sich dies sehr deutlich durch Tauwasserbildung im Eck- und Randbereich der Innenschale eines Fensters bei niedrigen Außentemperaturen. Dies ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Aluminium eine Wärmeleitfähigkeit von ca. 200 W/(m² * K) hat.

Die Folgerung daraus ist also die Verwendung eines Abstandshalters aus einem Material mit geringerer Wärmeleitfähigkeit, um den Isolierglasrandverbund thermisch zu trennen.

Für den Passivenergiehausbau sind daher Abstandhalter aus Kunststoff mit einer innenliegenden dünnen Edelstahlfolie als Dampfdiffusionssperre entwickelt worden. Wobei Edelstahl eine Wärmeleitfähigkeit von ca. 20 W/(m K) und der verwendete Kunststoff eine Wärmeleitfähigkeit von 0,19 W/(m K) hat.

Der in der Praxis immer vom Ug – Wert abweichende tatsächliche U – Wert einer Verglasung ist also durch die Verwendung dieser Abstandhalter gegenüber denen aus Aluminium deutlich verbessert.
Messungen haben ergeben, dass eine Verglasung mit einem Ug – Wert von 0,5 W/(m² * K) bei Mitrechnung des Randverbundes aus Aluminium bei einer Fläche von 1m x 1m nur noch einen U-Wert von 0,79 hat, während der U-Wert bei Verwendung der Kunststoffabstandhalter bei 0,63 liegt.

Alles in allem lassen sich die für ein Passivenergiehaus geforderten Uw –Werte von < = 0,8 W/ (m² * K) für das Fenstersystem durchaus erreichen, wenn auch nicht zu einem Spottpreis und auch nicht von jedem Fensterbauer um die Ecke.

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Wendefenster als Alternative

In diesem Zusammenhang möchten wir auf eine interessante Alternative in Sachen Fenstersysteme hinweisen. Es handelt sich dabei um sogenannte Wendefenster, bei denen es möglich ist, die im Fensterflügel schwenkbar gelagerte 2-Scheiben Isolierverglasung um 180° zu „wenden“.

Da die beiden Scheiben in ihrer Art und ihrem Aufbau (Beschichtung usw.) Unterschiede aufweisen, stellen sich je nach Position andere g – Werte des Fensters ein. Im Sommer werden von diesem Fenster g – Werte von ca. 0,35 erreicht, was dafür sorgt, dass es dann nicht zu einer allzu großen Aufheizung im Inneren des Gebäudes kommt.

Im Winter dagegen sind hohe g –Werte erwünscht, um möglichst viel Wärmeenergie ins Haus zu holen, hier werden von diesem Fenster g – Werte von bis zu 0,8 erreicht.

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Zentrale Installation

Für die Reduzierung des Energieverbrauches und zur Kostenreduktion ist bereits in der Planungsphase zum Bau eines Passivenergiehauses auf eine zentrale Installation der Ver- und Entsorgungsleitungen zu achten.

Hierfür ist ein möglichst zentraler Installationsschacht vorzusehen, in dem die gesamte Haustechnik (Lüftungsanlage, Brauchwasserspeicher, Hausanschluss, Strom, Wasseranschluss, Abwasserrohre, Zu- und Abluftrohre der Lüftungsanlage usw.) untergebracht werden kann.

Durch den zentralen Installationsschacht können die Wege für die Be- und Entlüftungsrohre minimiert und so auch die Leistung der Lüftermotoren gering gehalten werden.

Sind die Brauchwasserentnahmestellen nicht weiter als 3 m von der Brauchwassererzeugung entfernt, kann z.B. auch auf eine Zirkulation (Rohre, Pumpe usw.) verzichtet werden.

Die Reduzierung auf ein einziges zentrales Abwasserrohr (Durchmesser 150 mm) senkt den Material- u. Installationsaufwand. Gleichzeitig wird die Dämmstoffebene Boden nur einmal durchdrungen.

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Welche Maßnahmen gibt es noch?

Bei der Planung bzw. des Baus eines Passivenergiehauses sind noch viele weitere Maßnahmen zu berücksichtigen:

Weitere mögliche Maßnahmen

  • Die Entlüftungsrohre der Abflussleitungen dürfen nicht nach außen durch das Dach geführt werden; die thermische Dachhülle darf nicht durchstoßen werden. Es sollten daher entweder Unterdachentlüfter verwendet werden oder alternativ kann die Entlüftung über ein zusätzliches Rohr, das durch den Boden nach außen geführt wird, erfolgen.
  • Schornsteine sind zu vermeiden, da sie die Hülle des Daches durchdringen würden.
  • Balkone nicht mit der Geschossdecke verbinden; nur davorgestellte Skelettkonstruktionen verwenden.
  • Der Putz ist für einen luftdichten Anschluss bis zum Rohfußboden (Sohlplatte) bzw. unten und oben gegen die Betonrohdecke zu führen.
  • Bei Holzbalkendecken dürfen die „arbeitenden“ Balken nicht in die Wand einkragen, da es hierbei zu einer Luftundichtigkeit beim Verputzen kommen würde. Daher sind Balkenschuhe oder ähnliche Wandaufleger zu verwenden, die mit eingeputzt werden und erst danach werden die Balken aufgelegt.
  • Verschattungen der Südfensterflächen sind unbedingt zu vermeiden (keine Bepflanzung, die den Licht- und Wärmeeintrag auf der Südseite behindern würden). Temporäre Verschattungen (außenliegende Jalousien) sind dagegen wegen des sommerlichen Wärmeschutzes empfehlenswert, wenn auch nicht unbedingt erforderlich.
  • Schrägverglasungen sollten vermieden werden, da sie immer einen aufwendigen temporären Wärmeschutz benötigen.
  • Haustüren sollten nach Möglichkeit aus dem gleichen System der Fenster bestehen (d.h. U –Werte < = 0,8 W /(m² * K) aufweisen).
  • Außerhalb der thermischen Hülle (Wand) ist die Anordnung eines Windfangs notwendig, um den Kaltlufteintritt im Winter auf das Volumen des Windfangs zu reduzieren.
  • Bei solarer Brauchwassererwärmung sollten Waschmaschine und Geschirrspüler an das Warmwassernetz angeschlossen werden.
  • Bei der Wahl eines Herdes ist der Gasherd einem Elektroherd wegen seiner im Verhältnis 1 zu 3 günstigeren CO2 – Bilanz vorzuziehen. Allerdings müssen bei der Wahl auch die Kosten für den eventuell nur hierfür benötigten Gasanschluss (alternativ über Gasflaschen) berücksichtigt werden.
  • Bei allen Elektrogeräten ist auf niedrigsten Stromverbrauch zu achten

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Autor: Marc Opitz