Auf dem Anleihemarkt der Finanzbranche lässt sich derzeit ein regelrechter Boom erkennen. Immer mehr Banken versuchen, sich durch Anleihen frisches Kapital zu beschaffen. Eine Summe von 4,5 Milliarden Euro wurde bereits von vier Großbanken in Anspruch genommen. Die Deutsche Bank nutzte den Anleihemarkt mit einer Summe von 1,25 Milliarden Euro, die als frisches Kapital in das Finanzhaus fließt. Sowohl Nachranganleihen als auch Unbesicherte Anleihen sind derzeit gefragt.
Im August erlebte der Anleihenmarkt der europäischen Finanzwirtschaft einen regelrechten Aufschwung. Noch vor wenigen Monaten galten die Unbesicherten Anleihen und die so genannten Nachranganleihen für die Banken als vollkommen verschlossen. Nun scheinen die Kredithäuser jedoch die Möglichkeit der frischen Kapitalaufnahme für sich entdeckt zu haben. Zumal die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Rezession derzeit auch wieder zu einem steigenden Risikoverhalten bei den Anlageformen führt. Auch die niedrigen Geldmarktzinsen zeigen beim Verhalten der Banken ihre Wirkung.
Im August gelang es der WestLB erstmals, Anleihen auf dem Markt zu positionieren. Seit dem Wegfall der Staatshaftung im Sommer 2005 konnte sich die WestLB nun wieder mit Anleihen im Gesamtwert von 750 Millionen Euro an dem Markt beteiligen. Eine unbesicherte Anleihe mit einer Summe von 1,5 Milliarden Euro kam von der britischen Lloyd.
Mit einem unerwarteten Verhalten sorgte hingegen die Deutsche Bank für Meldungen. Die Deutsche Bank stockte die Nachranganleihen mit einer Gesamtsumme von 1,25 Milliarden Euro auf. Durch die Summe soll vordergründig das Kernkapital des Finanzhauses gestärkt werden. Zudem möchte die Deutsche Bank mit der Summe den Einstieg beim angeschlagenen Konzern Sal. Oppenheim meistern. Die Privatbank kämpft seit Monaten mit den Auswirkungen der Finanzkrise. Dem Trend der meisten Geldhäuser folgten auch die Franzosen Société Générale, die Nachrangpapiere von einer Milliarde Euro platzierten.
Experten der Finanzbranche gehen derzeit davon aus, dass die Emissionen auch weiterhin anhalten werden. Das Emissionsvolumen beläuft sich in diesem Jahr auf eine Summe von 6,7 Milliarden Euro. Demnach nehmen die bisherigen Emissionen rund ein Drittel des Gesamtvolumens ein.
Der Mehrzahl der Banken gelang es in den ersten vier Monaten 2009 kaum, Nachrangpapiere an den Mann zu bringen. Nun scheint sich jedoch eine Wende abzuzeichnen.
Nach Berichten aus Finanzkreisen wird deutlich, dass die Gründe für die Emissionen sehr unterschiedlich sind. So versuchte die WestLB vordergründig ein Zeichen zu setzen und bewies, dass eine Refinanzierung am Markt auch ohne Garantien möglich ist. Hingegen sind die Gründe der Deutschen Bank komplett gegensätzlich. Die Deutsche Bank plant bereits seit Längerem den Einstieg bei Sal. Oppenheim und könnte diesen durch die Emissionen nun bewältigen. Schrittweise soll durch das Kredithaus ein Einstieg bei Sal. Oppenheim erfolgen. Darüber hinaus ist die Emission von Anleihen derzeit eine zinsgünstige Alternative zur Aufnahme von Krediten, also zur mittel- und langfristigen Refinanzierung des eigenen Geschäftes.
