Arcandor geht in die Insolvenz

Wer gedacht hätte, der Kelch würde an Arcandor vorbei gehen, und der Konzern würde ohne eine Insolvenz überleben können, der hatte sich schon lange geirrt. Der Mutterkonzern von Karstadt, Quelle und Thomas Cook hat heute beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag eingereicht.

Die Finanzierung des angeschlagenen Unternehmens hat einfach nicht geklappt. Ein Schrei Richtung Staat wurde von der Bundesregierung klar abgeblockt, da das Unternehmen bereits vor der Finanz- und Wirtschaftskrise in finanzielle Bedrängnis geraten war. Ein Antrag auf Hilfe aus dem Kredit- und Bürgschaftsprogramm des Wirtschaftsfonds Deutschlands war am Montag dieser Woche abgelehnt worden. Einen Kredit aus des Staates Hand wird es also nicht geben, auch keinen Notkredit, dies ist inzwischen auch klar. Denn bevor sich Arcandor nun auch noch die Blöße einer Ablehnung eines solchen Antrags gab, wurde die Insolvenz gewählt.

Doch Insolvenz bedeutet nicht zugleich auch Schließung eines Unternehmens

Viele haben, wenn sie das Wort „Insolvenz“ hören, noch immer das Bild vom Konkursverfahren früherer Tage im Blick. Leider hat sich dies so verfestigt, dass viele gar nicht wissen wollen, dass eine Insolvenz manchmal das beste und auch einzige Mittel ist, um einem Unternehmen wieder auf beide Beine zu verhelfen und es eines Tages wieder eigenständig agieren und wirtschaften lassen zu können. Deshalb sagte Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg kürzlich auch bei einer Podiumsdiskussion in Berlin: “Wir sind aufgerufen, in diesem Land der Stigmatisierung des Begriffes Insolvenz entgegen zu wirken.”

Und genau hier ist der springende Punkt. Die Insolvenz wird als etwas Schlechtes betrachtet und mit dem Konkurs früherer Tage verwechselt. Das eine hat mit dem anderen jedoch nicht mehr viel zu tun. Beim Konkursverfahren ging es darum, sämtliche noch vorhandene Vermögensmasse eines Unternehmens, wie zum Beispiel Gebäude, Fuhrpark und zum Beispiel das Bargeld in der Kasse sowie die sonstigen Geldanlagen unter den Gläubigern aufzuteilen, prozentual je nach Höhe der Forderungen. Damit war das Ende eines Betriebes klar abzusehen und es ging nur noch um eine reine Abwicklung.

Diese Tage sind jedoch vorbei. Heute geht es darum, bei einer Insolvenz ein Unternehmen zu sanieren und es so einem Gesundungsprozess zu unterziehen. Das alte böse Mal, das Stigma, ist also gar nicht mehr vorhanden, wenn von einer Insolvenz die Rede ist. Und gerade im Falle Karstadt kann davon ausgegangen werden, dass ein solches Verfahren aller Voraussicht nach mehr Arbeitsplätze im Konzern weiter erhalten kann, als es bei einem „normalen“, weiteren Geschäftsbetrieb des Unternehmens der Fall gewesen wäre.

Eine verschleppte Insolvenz? – Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft nicht nur in Sachen Thomas Middelhoff und seine Verstrickung bei dem Verkauf der Karstadt-Immobilien und zugleich seine Anteilschaft an einem damit verbundenen Fonds der neuen Eigentümer der Immobilien. Auch der neue Chef von Arcandor ist nun im Visier der Essener Staatsanwaltschaft gelandet. Eine Privatperson hat zwischenzeitlich Strafanzeige wegen Insolvenzverschleppung gestellt. Ein böser Verdacht, der, wenn er sich bewahrheiten sollte, bittere rechtliche Folgen haben würde für Karl-Gerhard Eick.

Denn: Wer mit Absicht eine Insolvenz „verschleppt“ und nicht rechtzeitig einen Insolvenzantrag stellt, obwohl das Unternehmen bereits zahlungsunfähig ist, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Bei einer fahrlässigen Insolvenzverschleppung gibt es immerhin noch eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder aber eine Geldstrafe. Und dies ist nicht gerade auf die leichte Schulter zu nehmen. Angesichts der Tatsache, wie laut Herr Eick gepoltert und nach einer Staatshilfe geschrieen hat, aber Arcandor bereits möglicherweise pleite war, wird ein Urteil nicht milde ausfallen können. Dafür sind die Augen der Öffentlichkeit inzwischen zu sehr geplagt durch das Verhalten des Vorstands vom Karstadt-Mutterkonzern.

Zwischenzeitlich hieß es auch, die Arcandor-Aktie sei vom Handel ausgeschlossen worden. Dies scheint jedoch eine Fehlmeldung gewesen zu sein. Im Moment steht das Wertpapier bei 0,78 Euro je Anteilsschein, was derzeit einen Einbruch von mehr als 26 Prozent gegenüber dem Vortageswert von gestern bedeutet. Übrigens bricht derzeit auch die Aktie der Continental AG ein, die auch im MDAX gelistet ist. Zwar nur um 5,5 Prozent gegenüber gestern, jedoch als eindeutige Folge der Mitteilung aus dem Hause Schaeffler und Continental, dass man auf einen Antrag auf eine staatliche Hilfe verzichten wolle. Das Wirtschaftskarussell dreht sich also munter weiter nach unten. Aber es wird wieder bergauf gehen, dessen sind wir uns sicher. Dann aber mit einem anderen Kopf an der Spitze von Arcandor als Karl-Gerhard Eick oder Thomas Middelhoff. Der Krise sei Dank!