Die Krise in der Realwirtschaft scheint sich dem Ende zu nahen, zumindest ist die Talsohle überschritten. Dieser Ansicht ist auch Adelheid Sailer-Schuster, die Präsidentin der Hauptverwaltung Hamburg der Deutschen Bundesbank. Auf den Finanzmärkten jedoch herrschen immer noch Risiken, die zu einem weiteren Abschreibungsbedarf führen könnten.
Denn, und dies erläuterte Frau Sailer-Schuster in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt”, es werden wohl weitere Ausfälle aus Krediten auf die Banken zukommen. Dabei handelt es sich dann nicht nur um Peanuts, wie 50 Millionen DM einstmals von Hilmar Kopper, dem damals noch Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, bezeichnet worden waren. Die Präsidentin der Hamburger Hauptverwaltung der Notenbank Deutschlands geht von „erhebliche Wertberichtigungen“ in diesem Jahr aus, die Bundesbank selbst würde eine Summe von „50 bis 75 Milliarden Euro“ veranschlagen.
Der Grund ist ganz einfach, wenn auch nicht weniger bitter in finanzieller Hinsicht: „Während die Schwierigkeiten der Banken zunächst vorwiegend aus dem Eigenhandel mit toxischen Papieren resultierten, wird sich die Krise in diesem Jahr auch in einem erhöhten Abschreibungsbedarf auf das Kreditportfolio niederschlagen.“ Doch Adelheid Sailer-Schuster geht noch weiter. Auf die Frage hin, ob dies alle Geldinstitute treffen würde, kommt eine knappe, aber nicht weniger bedenkliche Antwort: „Es wird sicher auch Institute treffen, die kaum Eigenhandel betrieben haben und bisher noch gut durch die Krise gekommen sind.“
Eine Immobilienkrise, wie die USA sie erlebt haben, und die dann letztlich auch zum Ausbruch der weltweiten Finanzmarktkrise geführt hat, erwartet die Bundesbank jedoch nicht. Die Kreditausfälle, welche wohl auf uns zukommen werden, sind aus dem Bereich der Unternehmensinsolvenzen und eine Folge der Wirtschaftskrise. Dennoch werden sie nicht weniger bitter sein für die deutschen Finanzplätze.
Eine Krise, die eine andere Krise erzeugt in einem Ausmaß wie diesem, war zu Beginn der Immobilienkrise nicht erwartet worden. Doch auch Kanzlerin Merkel schwor uns bereits in ihrer Neujahrsansprache auf ein schwieriges Jahr 2010 ein. Doch neben allem Negativen darf eines nicht vergessen werden: Jede Krise bietet auch immer wieder Chancen für einen Neuanfang – auch wenn dieser vielleicht anders aussehen mag, als zuerst gedacht wurde…
